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Hinweis für meine deutschen Leser
Meine belletristischen Schriften werden bis Ende 2015 alle wieder publiziert sein. Buchmarken Sie diese Seite.

Das Dao De Ging—auch Tao Te King oder Daodejing geschrieben—ist eines der meist-übersetzten Bücher der Weltliteratur. Es ist hier dargeboten in einer Fassung, die auf jeden philosophischen Kommentar bewusst verzichtet und den Text so einfach und prägnant wie möglich hält. 

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Ob man nun mit neuerer philologischer Forschung annimmt, das Buch sei nicht nur von Laotse, sondern ist von einer Reihe von taoistischen Weisen verfasst worden, lag es nicht in der Natur der Taoisten, lange Rede zu machen. Eines ihrer bekannten Mottos war denn auch ‘Langer Rede kurzer Sinn.’ Das habe ich hier berücksichtigt, und es wird auffallen, dass meine Übersetzung erheblich kürzer ist, als die der meisten deutschen Sinologen.

Im Gegensatz zur hellenischen Philosophie war Taoismus keinesfalls dialektisch-spekulativ. Auch würden die alten Weisen das Buch keineswegs als ‘heilig’ bezeichnet haben, obwohl der Geist, der aus ihm strahlt, durchaus ein natürlich erhabener, religiöser Geist ist.

Trotz der Wahrscheinlichkeit, dass das Buch verschiedene Autoren hat, ist es doch heute als ein einheitliches philosophischen Gedankengebäude angesehen. Dafür spricht neben dem Wortmaterial die durchgehaltene Thematik, welche alle Bereiche des täglichen Lebens umfasst, und dem nichts Menschliches fremd ist. Ganz besonderer Schwerpunkt wird gelegt auf Führung, Menschenführung und Staatsführung, also Management und Politik.

Die einzelnen Paragraphen erscheinen in diesem Kontext als Ausarbeitungen bestimmter Einzelthemen, doch wird schnell klar, dass es sich hier um Variationen eines einzigen Themas handelt. Das Wertsystem, das durchweg hier durchschimmert, ist erfrischend konträr zu dem der heute führenden grossen Nationen. Es ist ein Wertsystem, das das Weibliche ganz und gar umfasst und integriert, das die Natur respektiert, und das den Menschen so nimmt, wie er nun einmal ist. Es ist ein Wertsystem, das dem des Moralismus und der Heuchelei eine volle und deftige Absage erteilt.

Der Stil ist sehr geprägt von Gegensatzpaaren, und Widersprüche sind nicht wegdenkbar, denn manchmal erreicht die philosophische Konzentration des Textes seine Grenzen. 

Das haben frühere Interpretationen oft verschwiegen, für mich war es jedoch ein Punkt, der klar offen zu legen war. Philosophie und tägliches Leben können nicht voll und ganz vereinbart werden, denn wenn man das erstrebt, würde man dem subtilen Zweck des Dao entgegenwirken.

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Der vorliegende Band ist eine Sammlung von Auszügen aus einem recht umfangreichen Weisheitsbuch des alten China. 

Die Nummerierung der einzelnen Strophen oder Weisheitssprüche wurde der Übersichtlichkeit halber hinzugefügt, ist aber im Original nicht erhalten. Dies gilt natürlich auch für die kunstvolle Anreicherung des Textes mit chinesischer Kalligraphie und Landschaftsmalerei im poetischen Stil des alten China.

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Desweiteren wurden manche Strophen des Buches, die im Original aufeinander folgen, in einem Paragraph zusammengefügt, weil sie inhaltlich zusammen gehören. Man mag mir diese Freiheit verzeihen, aber sie dient dem Lesen des Textes in moderner Sprache, und dies umso mehr, als die chinesische Sprache von jedweder Sprache des Westens fundamental abweicht, da sie kontextuell ist und multiple, wenn nicht gar sehr verschiedene Übersetzungen rechtfertigt. 

Andererseits enthält das Buch aber auch viele Strophen, die einfach Wiederholungen sind, oder es werden Bemerkungen in manchen Strophen gemacht, die völlig ausserhalb des Kontextes stehen. Das mag seinen Grund darin haben, dass dieses alte Buch über die Kunst der Staatsführung nicht nur einen Autor hat, sondern dass viele daran mitgewirkt haben.

Während man beim Dao De King (Tao Te King), welches ich in deutscher Übersetzung bereits veröffentlicht habe, daran zweifeln mag, ob es wirklich nur von Laotse verfasst wurde—und die philologische Forschung ist denn heute überwiegend der Meinung dass auch das Dao De Ging von einer Mehrzahl von Autoren verfasst wurde—so kamen solche Zweifel beim Huainanse gar nicht erst auf. Es wurde von einer Anzahl von daoistischen Gelehrten verfasst, die im Dienst des Königs von Huainan standen, einem kleinen Fürstentum im China der Han Dynastie, im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Der König war Kunst und Literatur sehr ergeben und sein Hof war ein beispielhafter kultureller Schauplatz, als acht daoistische Meister mit diesen Lehren auftraten.

Obwohl es einem schnell klar wird beim Lesen dieses Textes, dass diese Schriftsteller stark beeinflusst waren von den Klassikern von Laotse und Tschungtse bis hin zu Konfuzius, so ist der Fokus des vorliegenden Werkes doch ein recht anderer, denn es geht hier einzig allein um Staatsführung, Sozialpolitik, und politische Strategie, und nicht um allgemeine Philosophie im Sinne von Laotse oder Tschungtse, oder Ethik und Moral im Sinne der konfuzianischen Lehre.

Zu beachten ist weiterhin, dass die Werke von Laotse und Tschungtse von den bürgerkriegsartigen Zuständen des beginnenden Feudalismus geprägt waren, während die Meister von Huainan in einer Zeit der Rekonstruktion lebten, nachdem für einige Hundert Jahre Bürgerkrieg geherrscht hatte im ganzen China. Daher fällt auf, dass diese Lehren und Einsichten viel mehr positives Denken und viel weniger Zynismus enthalten, als die der Taoisten, die in turbulenten Zeiten ihre Bücher schrieben.

Ganz wie andere taoistische Schriften, so dient auch das vorliegende Buch der Kontemplation, und wurde nicht mit dem Ziel verfasst, eine jedwede Ideologie zu propagieren.

Obwohl der Fokus des Werks auf der Kunst der Staatsführung liegt, so wird dieses Thema doch sehr breit behandelt, denn es geht um so verschiedene Fragen wie Organisation und Management, Beziehungen zwischen Menschen, und solchen zwischen Beamten und Bürgern, Erziehung, Wirtschaft, Bräuche, Tierhaltung bis hin zu ethischen Fragen, die den Herrscher und seine Minister anbetreffen.

Es fällt auf, dass die Verfasser des Buches eine Vision vom Staat haben, die erstaunlich pluralistisch anmutet, obwohl ich nicht der Meinung anderer Übersetzer bin, dass dies eine ‘egalitäre’ Vision war. Es wird doch sehr deutlich gemacht im Text, dass Egalität kein Prinzip von Regierung sein kann, weil Gleiche nicht über Gleiche regieren können, und also Ungleichheit der Bürger die Voraussetzung für jedes geordnete Staatswesen ist. Dazu gehört auch, dass es eine soziale Hierarchie gibt, welche sich in der hierarchischen Struktur der Regierung selbst widerspiegelt.

Weiterhin fällt auf, dass die Autoren das Ideal eines geordneten und fortschrittlichen Staatswesens herausstellen und von degenerierten, unordentlichen und dekadenten Gesellschaften abzugrenzen suchen. Dies mag man durchaus als verschiedene Stufen in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins ansehen.

Ganz besonders wird herausgestellt, dass in allen Fragen der Staatsführung Wert gelegt werden muss auf Ausgeglichenheit und Harmonie, wie dies auch für den menschlichen Körper gilt, und die Interaktion von Menschen mit ihrer natürlichen Umwelt. Negativ stellen die Autoren Aggressivität und Habgier als die menschlichen Schwächen dar, die der Integrität des Staatswesens am schädlichsten sind.

Das umfangreiche Werk enthält Gedanken über Krieg und Frieden, Staat und Gesellschaft, und Weisheit. In der vorliegenden Ausgabe wurden die speziellen Anmerkungen zur Kriegsführung ausgelassen, da sie meiner Meinung nach viel prägnanter von Sun Tsu in seinem Buch von der Kunst der Kriegsführung ausgeführt wurden. Auch von den Weisheitssprüchen wurden nur einige wenige hier eingefügt, da sie sehr an das Dao De Ging erinnern, dort aber weitaus besser und prägnanter formuliert wurden.

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